KI als Poleriesationsmittel zwischen dem globalem Süden und Norden

In dem Wirtschafts- und Sozialrat wurde am Freitagvormittag hitzig über die Vor- und Nachteilesowie mögliche Menschenrechtsverletzungen durch diese Technologie diskutiert. Venezuela sowie weitere Schwellen- bzw. Entwicklungsländer wie Kenia und Bangladesch betonten in ihren Reden die offensichtliche Gefahr der existierenden monopolartigen KI-Branche. Die globalen südlichen Delegationen fokussieren sich bei der Diskussion rund um künstliche Intelligenz vor allem auf die Eindämmung der bestehenden Ungerechtigkeiten, welche durch die aktuellen (nicht existierenden) KI-Regulierungen nur katalysiert werden. Arbeiter*innen in KI-Zentren im globalen Süden, welche Machine Learning und Content Regulations ohne jeglichen Arbeiterschutz, angemessenen Lohn oder Vermeidung von extremer psychischer Belastung durchführen, bilden das Gerüst für den aktuellen KI-Boom. Die Delegationen Kenia, Venezuela und Bangladesch betonen alle in ihren Reden, dass diese Ungerechtigkeit mit jedem Mittel bekämpft werden muss, indem Standards für Arbeiter*innen in KI-Zentren deren Menschenrechte versichern, ein echter Wissens- und Technologietransfer stattfindet und die Schere zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden geschlossen wird, durch eine Verstärkung der Eigenständigkeit der Entwicklungs- und Schwellenländer. Außerdem sollen diese Länder ebenfalls von der Technologie der künstlichen Intelligenz profitieren, vor allem im Bereich der Infrastruktur, Bildung und Medizin. 

Jedoch gab es auch Standpunkte im Wirtschafts- und Sozialrat, welche profitorientiert sind, vor allem von Delegationen aus Industrieländern. Die Delegation Großbritanniens meint zwar, sie „gibt ihnen (den Entwicklungsländern) die Hand“,  um sich von Abhängigkeit und Ungleichheit zu befreien, spricht sich aber für eine Deregulierung von KI als Förderung des freien Marktes aus. In einem Interview wird diese Meinung stärker begründet: 

 

Eva Becker: Hallo! Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Raffael Fried: Mein Name ist Raffael Fried und ich vertrete das Land Großbritannien im Wirtschafts- und Sozialrat.

Eva Becker: Vielen Dank. Können Sie mir einmal einen Einblick in Ihre Position zur Regulierung von KI zum Wohle der Menschheit geben?

Raffael Fried: Die Postion Großbritanniens ist relativ eindeutig, wir fordern auf der einen Seite eine Deregulierung von bereits bestehenden Regulierungen, insbesondere wünschen wir uns, dass unsere inländischen Firmen ins Ausland expandieren können. Gleichzeitig betonen wir aber die Wichtigkeit des Verbraucherschutzes und fordern da für alle internationalen agierenden Firmen gleichgeltende Gesetzgebungen, damit man KI wirklich zum Besten nutzen kann. 

Eva Becker: Inwiefern führt die Deregulierung zu einer Bewahrung aller Menschenrechte, auch in Entwicklungsländern?

Raffael Fried: Die Deregulierung führt vor allem dazu, dass KI in Ländern zugänglich gemacht wird, die noch keine KI haben. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass KI hilfreich ist in fast allen Belangen. KI hat das BIP vieler Staaten massivst vermehrfacht und KI führt auch dazu, die Forschung in medizinischen Bereichen und so zu fördern.

Eva Becker: Welche Regulierungen, welche jetzt gerade existieren, würden Sie denn abschaffen wollen?

Raffael Fried: Hauptsächlich die Regulierungen, durch die unsere inländischen Firmen nicht frei expandieren können, sondern das wir uns an lokale Gesetze und so halten müssen. Das würden wir dem her ändern, dass wir einheitliche Gesetze machen, die in jedem Zentrum und in jedem Bereich der Welt gleich sind. 

Eva Becker: Denken Sie nicht, dass durch das Expandieren in andere Länder, also das sogenannte Outsourcing, nicht eher die Abhängigkeit und Ungerechtigkeit in Entwicklungsstaaten gefördert wird, anstatt dass man die Menschen vor Ort direkt unterstützt?

Raffael Fried: Eine Deregulierung ist ja einfach ein anderes Wort für den freien Markt, und der freie Markt führt im Grunde zu einem: Jeder Mensch hat die Möglichkeit, für sich selber zu sorgen und wir glauben, dass jede Regierung der Welt ihre Bürger selber in der Lage sehen und das selber einschätzen, ob die jeweiligen Bürger in der Lage sind zu profitieren. Großbritannien reicht hier Entwicklungs- und Schwellenländern die Hand als entwickelte Industrienation und gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Wenn diese Länder ihre Chance nicht nutzen, dann kann das zur Abhängigkeit führen, dann ist das aber ganz normal und legitim. 

Eva Becker. Aber da muss man anmerken, dass Großbritannien eben durch seine Kolonialgeschichte diese Chance von vielen Entwicklungsländern genommen hat und diese Möglichkeiten nicht realisieren kann, da sie weiterhin ausgebeutet und abhängig gemacht werden.

Raffael Fried: Ich meine Chancen geben und Chancen nehmen, das kann man interpretieren, wie man will. Die Delegation Großbritanniens betrachtet das eher als ein Chancengeben, was wir da gemacht haben und geleistet haben. Man sieht zum Beispiel, dass sich auch ehemalige Kolonien, wie Zimbabwe und ähnliche, sich rückentwickelt haben, seitdem Großbritannien da keine helfende Hand mehr reicht. Deswegen halte ich es für sehr sinnvoll, dass äußere Faktoren Entwicklung einfach fördern.

Eva Becker: Vielen Dank für Ihre Zeit.


Die Situation im Wirtschafts- und Sozialrat bleibt weiterhin angespannt, vor allem wenn KI im Rahmen von Kulturschutz und Kriegsführung diskutiert wird.