Chaos im IGH
Auseinandersetzungen zwischen den Richtern und der Prozessleitung, Anforderungen von Marcell D’Avis als Zeuge und ein emotionaler Fisch – diese Ereignisse erfolgten in den letzten Tagen im Internationalen Gerichtshof (IGH), während dieser sich mit der Anklage Ungarns gegen Rumänien beschäftigte. Die Gerichtsverhandlung entwickelte sich im Laufe der Konferenzen zu einer richterlichen Comedyshow.
Besonders auffällig waren die dauerhaften Schlagabtausche zwischen der Prozessleitung und der Richterschaft. Vor allem Richter Xue, Richter Nolte, Richter Iwasawa und Richter Abraham dominierten die Debatten. Immer wieder unterbrachen Diskussionen über Verfahrensfragen, wie und auf welchen Gegenstand bzw. auf welches Buch die Zeugen schwören müssen, den eigentlichen Prozess. Dabei wurde kritisch gegen das von der Prozessleitung ausgewählte Buch „Red Rising“ ausgesagt.
Zwischen den juristischen Diskussionen sorgten auch andere Momente für Verwirrung: Richter Iwasawa machte sich seine chemischen Kenntnisse zunutze und rechnete eine Formel erneut nach – dabei kam ein anderes Ergebnis heraus als das von einem Chemiker als Zeugen zuvor angegebene. Richter Nolte forderte außerdem Papst Johannes Paul als Zeugen. Daraufhin antwortete die Prozessleitung mit der Aussage, der Papst sei in Gedanken mit ihnen, aber bedauernswerterweise bereits seit mehreren Jahren verstorben.
Aber den wohl emotionalsten Moment erreichte die Verhandlung, als ein Donaulachs (lateinischer Name Hucho hucho) als Zeuge vor die Richter trat und von seinen traumatischen Erlebnissen berichtete. Doch da keiner der Anwesenden perfektes „Fischisch“ sprach, wurde außerdem noch eine Übersetzerin angefordert, welche mit leichter Verspätung dem Gerichtshof gerne beim Verstehen des Fisches behalf. Nach der Aussage des Fisches teilten die Richter mit, dass dies „der emotionalste und wichtigste Teil dieses Prozesses“ (Richter Iwasawa) sei, und drückten dem Fisch gegenüber ihr tiefstes Beileid für das Miterleben eines solch traumatischen Ereignisses aus; „Man hat gesehen, wie der Fisch gelitten hat“ (Richter Xue).
Trotz der vielen Zwischenereignisse einigten sich die Richter am Ende und verkündeten ihr Urteil im Innenhof des Hospitalhofs.